Editorial
Editorial SGST Programm 2026/2027
Die einzige Konstante ist der Wandel.
„Im Jahr 2026 prägen Digitalisierung und Nachhaltigkeit den Alltag, wobei Menschen nach Wegen suchen,ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, ohne auf moderne Technologien zu verzichten. Zudem wächst der Wunsch nach Gemeinschaft und sozialen Interaktionen, was zu einem Anstieg von Co-Living-Projekten und Nachbarschaftsinitiativen führt.“ So die Antwort eines Chatbots zur Frage nach den Perspektiven für die nahe Zukunft. Das klingt gut. Aber Chatbots neigen zu Beschönigung. Nicht immer hilfreich, wenn man sich bei ernsthaften Problemen dort Rat zu holen versucht. Die Welt ist im Umbruch, schnell, brutal. „Co-Living“ zwischen den Staaten hat an Attraktivität verloren. Immerhin: Wie die Geschichte zeigt, auf Turbulenzen folgen Phasen der
Verständigung und Konsolidierung.
In der systemischen Welt gibt es ebenfalls Veränderungen, weniger dramatisch und vom Willen gezeichnet, das (Zusammen-)Leben zu erleichtern, gesellschaftlich, familiär, beruflich und im Erleben der Menschen, die zu uns kommen. Auch die curricularen Strukturen der SG haben sich geändert. Wir haben
uns angepasst: Die Weiterbildung der SGST wird sich in Zukunft in ein Beratungscurriculum und Aufbauweiterbildungen mit verschiedenen Schwerpunkten gliedern und unterschiedliche Lernformate nutzen, neben Face-to-Face auch Online-Angebote.
Im April 2027 startet ein spezielles Beratungscurriculum der SGST in Kooperation mit Inter-Actions für systemisch Interessierte, die in Luxemburg leben und arbeiten. Bei allem Wandel gilt weiterhin: Ob im Saarland, in der Pfalz oder sonst wo, die SGST möchte nicht nur Wissen vermitteln, sondern Orientierung, Verbindung und persönliches Wachstum ermöglichen. Wir laden alle Interessierten dazu ein, in Bewegung zu bleiben, sich fachlich auszutauschen und gemeinsam auf die Fragen unserer Zeit zu antworten.
Anna Schmitt & Peter M. Glatzel
Nachruf auf Jerzy Jakubowski
Unser Editorial war geschrieben und das vorliegende Programmheft in der Endredaktion. Alles schien seinen vermeintlich selbstverständlichen Lauf zu nehmen, „business as usual“, als uns aus dem Nichts heraus die schockierende Nachricht über den Tod von Jerzy Jakubowski erreichte. „Unser“ Jerzy, der gefühlt unsterblich schien, war plötzlich an einem Herzstillstand gestorben. Keine Chance auf Verabschiedung, geschweige denn Vorbereitung. Er stand mit 84 Jahren noch Mitten im Leben und trotzte der Corona-Pandemie gerade mit seinen Online-Formaten so flexibel und innovativ, wie man es einem Mann seines Alters nie zutrauen würde. Einfach bewundernswert! Jerzy war auch nach all den Jahren systemischen Arbeitens nie müde geworden, diesen Ansatz immer wieder neu zu erfinden. Er begeisterte die Teilnehmer*innen seiner Seminare nicht nur mit den gelehrten Inhalten, sondern vor allem mit seiner Persönlichkeit. Mit der natürlichen Autorität eines Lehrtherapeuten und Menschen, der sich nicht in den Vordergrund spielen muss und keine Allüren nötig hat.
Immer noch sehr berührt von seinem Tod mischt sich in unsere Trauer eine Dankbarkeit, ihn erlebt haben zu dürfen. Vieles von ihm, dürfen wir uns zum Vorbild nehmen und bewahren. Insbesondere seine Leidenschaft für Lösungen und Schaffenskraft. Ebenso seine unkonventionelle, positive und vor allem durch Gelassenheit geprägte Haltung durch´s Leben zu gehen. Dieses Leben ist nun zu Ende gegangen und wir Lehrtherapeut*innen der SGST werden ihn sehr vermissen. Für uns ist der Gedanke tröstlich, dass er dem folgenden Zitat in Bezug auf sein eigenes Leben vermutlich mit einem verschmitzten Lächeln zugestimmt hätte:
„Man lebt nur einmal, aber wenn man es richtig macht, dann reicht es auch!“
(Verfasser unbekannt)
Christian Roland