Editorial 2015 —
Schnell ist mehr

Liebe Leserinnen und Leser,

im Oktober 2013 beschlossen wir auf unserem Klausurtag, den systemischen Nachwuchs zu fördern. So beginnen wir den neuen Grundkurs im Saarland mit Verstärkung unseres Kollegen Patrick Burkhard, in der Pfalz wurde bereits im November 2013 Nicole Glaser in das Curriculum des neuen Grundkurses aufgenommen, um unsere Lehrtherapeuten zu unterstützen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und auf neue Anregungen!

Der Bundesausschuss hatte 2013 die systemische Therapie einem Prüfverfahren zum sozialrechtlichen Zugang unterzogen; ein Vorgang, der nach der wissenschaftlichen Anerkennung bereits im Jahre 2009 nur folgerichtig ist. Man rechnet mit einem Ergebnis in ca. zwei bis drei Jahren. Da die zu erwartenden Prüfverfahren dann Angelegenheit der Psychotherapeutenkammern der Länder sein werden, gab es bei der letzten saarländischen Kammerwahl (November 2013) eine gemeinsame Liste der Vertreter verschiedener Methoden unter Einbeziehung der SGST.

Durch Veränderung der Stundenkontingente und Auflösung der festen Kursdurchläufe zugunsten von Basisbausteinen wird den Veränderungswünschen sowohl ökonomisch als auch praxisnah Rechnung getragen. Laut SG-Beschluss wird es einen Basiskurs mit der Möglichkeit geben, im weiteren Verlauf der Ausbildung den Schwerpunkt auf Beratung, Coaching, Supervision oder Therapie zu legen, so dass die Ausbildung entsprechend Neigung und Wahl organisiert werden kann. Vielleicht werden wir eine „Tyrannei der Möglichkeiten“ (Hannah Arendt) erleben, die sich hinter vordergründiger Transparenz verbirgt. Diese Schwerpunkte werden institutsabhängig formuliert. Aber zur Beruhigung aller sich aktuell weiterbildenden Kandidaten: Es wird übergangsregelungen geben und die SGST wird ihr Angebot den SG-Forderungen entsprechend anpassen. Allerdings wird nicht gewährleistet sein, dass jedes Institut jeden Schwerpunkt in seinem curricularem Angebot vertritt. Viele Neuerungen – vielleicht auch im Sinne von Verstörungen – bringen auch viele Veränderungsoptionen. So bot die Kooperation der Dachverbände DGSF und SG eine neue Solidarität und Identifikation, beschnitt aber umgekehrt auch individuelle Entwicklungen der Einzelinstitute zugunsten eines formal mehr und inhaltlich weniger einheitlichen Curriculums.

Berufspolitisch befinden wir uns zur Zeit in einem Dickicht, durch das man ja bekanntlich durch muss, um wieder ans Licht zu kommen. Persönlichkeit entwickelt sich entlang der Dimensionen Konstanz und Variabilität (Hans Thomae). Wenn auch die curriculare Struktur mancherlei Veränderung unterzogen wurde, konnte die SGST in den letzten 10 Jahren ein beständiges Angebot an Kursen an unseren Standorten Saarbrücken, Merzig und Neustadt aufrecht erhalten. Wir freuen uns besonders über das rege gebliebene Interesse unserer Teilnehmer aus dem benachbarten Luxemburg. So sollte die systemische Weiterbildung uns Lehrtherapeuten weiterhin und unseren Teilnehmern neuerlich Spaß machen, Ressourcen mobilisieren, den Respekt vor andersdenkenden Menschen fördern und uns gegenseitig im stets zu führenden Diskurs inspirieren. Im vorliegenden Heft gibt es neben den üblichen Kursen wieder eine weite Palette an Selbsterfahrungs- und Weiterbildungsseminaren. Einen besonderen Hinweis verdienen die Ateliers: Gerhard Dieter Ruf, Neurologe und Psychiater, gibt eine Einführung in die systemische Psychiatrie (Atelier Nr. 47) und Rüdiger Retzlaff stellt seine „Spiel-Räume“ vor (Atelier Nr. 48).


Irina Bayer

Irina Bayer