Editorial 2013 —
Überraschungserfolg nach 25 Jahren

Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Vorlage des Programmheftes 2013 steuern wir auf ein Jubiläumsjahr der SGST zu: am 08.12.1988 wurde die Satzung der SGST auf einer Mitgliederversammlung verab-schiedet und die SGST als gemeinnütziger Verein zur „Förderung der systemischen Therapie in Forschung und Praxis“ gegründet. Damit blicken wir im Jahr 2013 mit Genug-tuung und auch etwas Stolz auf 25 Jahre SGST zurück.

Nach 25 Jahren können wir zunächst darauf verweisen, dass es uns gelungen ist, dem in der Satzung niedergelegten Zweck des Vereins, nämlich der Förderung der systemischen Therapie, gerecht zu werden. Die SGST hat meines Erachtens einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass der systemische Ansatz in den unterschiedlichsten psychosozialen Arbeitsfeldern im Saarland sowie im angrenzenden Rheinland-Pfalz und in Luxemburg Fuß gefasst hat und aus vielen Arbeitskontexten nicht mehr wegzudenken ist. Systemische Konzepte und Methoden haben sich an vielen Orten und in vielen Institutionen etabliert und werden als hilfreich und nützlich erlebt. Den Rückmeldungen unserer KursteilnehmerInnen entnehmen wir, dass sie das in den Seminaren und Kursen vermittelte systemische Denken auf vielfältige, kreative Art und Weise nutzen, um dem systemischen Ansatz neue Anwendungsfelder zu erschließen und die Arbeit zufriedenstellender und effektiver zu gestalten.

Über den regionalen Bezug hinaus war die SGST 1993 auf Bundesebene als Gründungs-mitglied an der Entstehung der Systemische Gesellschaft (SG) beteiligt. Die SG hat als Dachverband mittlerweile 44 Weiterbildungsinstitute unter dem gemeinsamen Nenner vereint, systemisches Denken und systemische Praxis zu vermitteln und zu verbreiten. U.a. hat unser geschätzter, leider früh verstorbener Kollege und Vorsitzender Rolf Thissen die SGST dort mehrere Jahre im Vorstand vertreten und mit dazu beigetragen, dass die Systemische Therapie mittlerweile im Konzert der anerkannten Psychotherapie-Verfahren einen respektierten Platz einnimmt. Neben der Verbreitung des systemischen Denkens hat die SG mit der wissenschaftlichen Anerkennung der Systemischen Therapie ein erstes, wichtiges Ziel erreicht, auf dessen Grundlage systemische Therapeutinnen und Thera-peuten die Approbation im Rahmen des geltenden Psychotherapeutengesetzes erlangen können. Es bleibt nun, die Anerkennung der Systemischen Therapie auch als sozialrechtlich begründetes Verfahren zu erreichen, mit dem die Abrechnung ambulanter Behandlungen über gesetzliche Krankenkassen möglich wird.

…mitunter verwundert und erstaunt,
wie weit wir auf diesem Weg gekommen sind…

Wenn ich mir die Gründerjahre in Erinnerung rufe, in denen wir begeistert und in missionari-schem Eifer mit den neuen systemischen Konzepten und Methoden das psychosoziale und psychotherapeutische Feld erobern wollten, bin ich mitunter verwundert und erstaunt, wie weit wir auf diesem Weg gekommen sind. Gleichzeitig sehen wir uns immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Wir sind dabei, die Inhalte und Konzepte unserer Kurse und Seminare zu überdenken und uns mit neuen Angeboten auf die sich verändernden Anforde-rungen der Praxisfelder einzustellen. Doch nicht nur die SGST, auch ihre Mitglieder sind älter geworden. Wir wollen uns daher auch personell weiter entwickeln, um die SGST auch dies-bezüglich zukunftsfähig zu machen.

Wenn Sie nun das Programmheft 2013 in der vorliegenden Version in den Händen halten und schon länger mit der SGST bekannt sind, fällt ihnen sicherlich auf, dass wir in Stil und Form eine gewisse Kontinuität gewahrt haben, die auch ein Stück Identität und Stabilität zum Ausdruck bringen soll. Die jährlich wechselnden Farben unserer Programmhefte haben mittlerweile eine Buntheit entstehen lassen, die hoffentlich nicht nur eine Äußerlichkeit darstellt.

Vermutlich gibt es aber mehr als diesen einen Kollegen, der die ketzerische Frage stellte, wie lange wir unser Programm noch in dieser anachronistischen Papierform in die Fachöffentlichkeit tragen wollen, ob es nicht längst ausreichend sei, das Programm – wie es ja auch geschieht – über die Homepage ins digitale Netz zu stellen, was schnellere und direktere Kommunikation ermögliche und darüber hinaus Aufwand, Papier und Porto spare. Meines Erachtens gibt es aber immer noch gute Gründe, bei unserem Programmheft auch an der traditionellen, handlichen Papierform fest zu halten. Und entscheidend sollte letzt-endlich sein, welche Angebote darin enthalten sind. Wir hoffen in jedem Fall, dass wir ihnen auch im kommenden Jahr interessante und anregende Kurse und Seminare anbieten, die sie für ihren beruflichen Kontext und ihre persönliche Auseinandersetzung mit systemischen Konzepten nutzen können.

Schließlich ist mir beim Reflektieren über die Vergangenheit und Zukunft der systemischen Bewegung noch ein Erlebnis in Erinnerung gekommen, das mir den aktuellen Stand und die Verbreitung systemisch- konstruktivistischer Ideen auf eine sehr hilfreiche Weise veran-schaulicht hat. Auf der Fahrt in den Urlaub hörte ich im Autoradio einen Schlager-Refrain der Wise Guys (einer aktuellen deutschen Band), der eine Antwort auf die nicht unberechtigte Frage dieses Sommers gibt: „Was ist Sommer?“. Hätten Sie´s gewusst? „Sommer ist, was sich im Kopf abspielt“.


Gerd Hartmüller

Gerd Hartmüller