Editorial 2018: Jubiläen

Liebe Leserin, lieber Leser,

2018 gibt es gleich zwei Jubiläen: 30 Jahre SGST, 25 Jahre Systemische Gesellschaft (SG). Beide haben sich großartig entwickelt. Wir wünschen ihnen und uns noch viele weitere erfolgreiche Jahre und Jahrzehnte.

Seit 1988, dem Gründungsjahr der SGST, hat sich die Welt sehr verändert. Auch im Bereich der Psychotherapie: Gründung der SG als Dachverband 1993 durch die SGST und sieben andere systemische Institute. Psychotherapeutengesetz 1998. Wissenschaftliche Anerkennung der Systemischen Therapie 2008. Realistische Aussichten auf sozialrechtliche Anerkennung seit 2013. Positive Nutzenbewertung der Systemischen Therapie 2016 durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Absehbar ist, dass die Entwicklung zu weiterer Verschulung, Qualitätsdiskussionen, Leitlinien und staatlichen Prüfungen führen wird. Wir sollten aufpassen, dass unsere radikal-konstruktivistisch oder neurobiologisch inspirierte Kreativität dabei nicht zu Schaden kommt. Unsere Welt braucht neben evidenzbasierten Regeln und Normen einen Freiraum für Lösungen jenseits der Standardisierung.

Manche neuen Regelungen stellen auch eine Erleichterung dar: Wegen der von der SG angesteuerten Änderung der curricularen Struktur in einen allgemeinen Basiskurs und spezialisierte Aufbaukurse werden in Zukunft 200 der seit 2016 im Beratungs-Curriculum erworbenen Theoriestunden beim Wechsel ins Therapie- und Beratungs-Curriculum angerechnet. Zu beachten ist jedoch, dass die Zertifizierung „Systemische Therapie“ durch die SG weiter an einen humanwissenschaftlichen Studienabschluss gebunden bleibt. Im Übrigen hat die saarländische Psychotherapeuten-Kammer die Systemische Therapie seit November 2016 in ihre Weiterbildungsordnung aufgenommen. In Luxemburg wird eine bei der SGST erworbene Qualifikation vor dem Hintergrund des neuen Psychotherapeutengesetzes anerkannt, zumindest im Rahmen einer Übergangsregelung. Beim Masterstudiengang „Beratung“ der EHS Dresden können im Beratungs- bzw. Therapiecurriculum erworbene Kompetenzen auf das Studium angerechnet werden.

Neben unseren regulären curricularen Angeboten und dem erneut angebotenen Entwicklungspsychologischen Sondercurriculum findet man/frau auch in diesem Heft allerlei Weiterbildungsseminare zu verschiedenen Themen sowie zwei Ateliers - das eine über die „dunklen Seiten“ der Sozialpädagogik mit Mathias Schwabe, das andere zur „Systemischen Paartherapie“ mit Tom Levold, einem Urgestein der systemischen Therapieszene. Geplant ist ein Festvortrag von Jochen Schweitzer anlässlich unseres 30-jährigen Jubiläums mit kreativem und kulinarischem Rahmenprogramm im November 2018

Erfahrung, Know-how und Souveränität sind mit dem Alter verbunden. Allerdings altern die Lehrenden schneller als ihre Institute, versterben oder entwickeln andere Interessen (siehe den Abschnitt: „Ehemalige LehrtherapeutInnen und Gründungsmitglieder“). Dem versuchen wir entgegenzuwirken, indem wir fähigen und engagierten Kolleginnen und Kollegen in unseren Grund- und Aufbaukursen Gelegenheit geben, sich als künftige Lehrtherapeutinnen und Lehrtherapeuten zu profilieren. Sowohl in Neustadt als auch an der Saar konnten einige Anwärter bereits erste praktische Erfahrungen innerhalb unserer curricularen Angebote machen und mit ihrem Engagement uns ältere Kollegen entlasten.

Viel Spaß bei der Lektüre und der Auswahl aus unseren Angeboten: Alle Veranstaltungen

P.S. Hinweis auf eine selbsterfüllende Prophezeiung: Immer wieder erreichen uns Klagen, dass in Seminaren schon kurz nach Erscheinen unseres Programmhefts kein Platz mehr zu haben sei. Wie ist das möglich? Eine Antwort: Viele Interessenten melden sich zu mehreren Seminaren an (was wir prinzipiell natürlich gut finden). Die Prämisse: Bei einer der Anmeldungen wird es schon klappen. Werden Anmeldungen dann zu spät zurückgezogen (man/frau kann und wollte ja ohnehin nicht überall teilnehmen), können frei werdende Plätze von der Warteliste oft nicht mehr aufgefüllt werden. So kommt es vor, dass Seminare ausfallen, obwohl sie ursprünglich ausgebucht waren. Eine mögliche Lösung: Sich nicht für zu viele Seminare gleichzeitig anmelden :-)

Bouzonville, im Sommer 2017
Peter M. Glatzel
Peter M. Glatzel